Über das Dancestudio Mangelsdorff

Anno, möchte man fast sagen, 1886 war die Ballettschule Egon Mangelsdorff ein Begriff in der Bülowstraße am Nollendorfplatz. Egon Mangelsdorff sen. war kaiserlicher Ballettmeister an der Staatsoper und erhielt für hervorragende Leistungen aus den Händen von Kaiser Wilhelm Schmuck mit der Wilhelminischen Krone - unter anderem einen blau-goldenen Ring, von dem später in diesem Abriss noch die Rede sein wird. Im Jahre 1908 war die Schule dann bekannt als „Tanzschule für Jedermann - Gesellschaftstanz“.

Nach den beiden Weltkriegen wurde im Jahr 1947 die Tanzschule Egon Mangelsdorff jun. in Friedenau wieder ins Leben gerufen. Mit mitgebrachten Presskohlen und aufgestellten Karbitlampen konnte man schon wieder das Tanzbein schwingen. Der Unterricht war beschwerlich, denn die Schüler trainierten wegen Stromausfall und nicht ausreichend geheizten Räumen in Mänteln und Fausthandschuhen. Mehr Luxus gab es damals noch nicht. Hätten sie die heutige Auswahl der Tanzschuhe sehen - die Tanzschüler der damaligen Zeit wären vor Neid erblasst. Damals trug man dicke Lederschuhe mit Keilabsätzen von „hintenrum“. Trotzdem hatten alle Schüler ihren Spaß. Aus dieser Zeit stammt auch das Bild mit einem dicken Elefanten und der Unterschrift „Einst war ich wie dieses Tier, tanzen lernt' ich dennoch hier!“. Dieses Tier auf einer Schallplatte blieb lange Jahre das Emblem und Logo der Tanzschule Mangelsdorff.

Im Jahre 1949 heiratete Ingrid Mangelsdorff in die Familie ein, und es war am 1. Mai 1949, als Egon und Ingrid Mangelsdorff ihre erste Show in der „Roten Veranda“ der Zoo-Festsäle gaben. Ein Jahr später zog man mit dem Namen „Mangelsdorff“ in den Norden Berlins - Café Hohenzollern in Tegel. Hier begann dann in mühseliger Kleinarbeit der Aufbau einer Tanzschule, die heute aus dem Berliner Norden kaum mehr wegzudenken ist. Viele Jungen und Mädchen haben unter dem Kommando der Mangelsdörffer die ersten Tanzschritte und den geordneten Umgang mit dem anderen Geschlecht gelernt - neben mittlerweile buchstäblich Tausenden anderer Tanzschüler auch die langjährige Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura.

Seit 1952 hat die Schule ihren heutigen Sitz in einem kleinen Häuschen, fast am Tegeler See und immer gut gefüllt. Im Jahr 1958 wurde dann der erste Tanzclub gegründet, zunächst unter dem Namen „TC Mangelsdorff“. In Anlehnung an den bereits erwähnten Ring von Kaiser Wilhelm, den der heutige Vorsitzende Peter Mangelsdorff übrigens noch immer trägt, wurde der Club dann zunächst in „Blau Gold Kronen“ und später dann in die moderne und bis heutige gültige Fassung „TC Blau Gold“ umbenannt. Bis heute - und hoffentlich auch in Zukunft - ist die Zusammenarbeit zwischen Schule und Club in vollster Harmonie verlaufen - ein Paradebeispiel der Ergänzung von verschiedenen Zuständigkeiten. In der Tanzschule werden die Anfänger mit den ersten Schritten vertraut gemacht und im Laufe der Kurse auf den Club vorbereitet; im Club wird das Gelernte verfeinert, geübt und bei denjenigen, die es möchten, zur Turnierreife gebracht.. Apropos Turnierreife: Im Jahre 1959 wurden Egon und Ingrid Mangelsdorff in ihrer tänzerisch aktiven Laufbahn Deutsche Vizemeister in den Standardtänzen und 1960 Semifinalisten bei der Weltmeisterschaft über neun Tänze. Der Startschuss für die dritte Generation der Tanzschule Mangelsdorff kam im Jahre 1979, als Sohn Peter Mangelsdorff seine berufliche Laufbahn als Tanzlehrer begann. Nun bekam die Schule einen neuen Aufschwung: Formationen wie „Cabaret“, „Can-Can“, „Rock ´n Roll“, „30-Tänze-Show“ und „The Wall“ gaben den Veranstaltungen ein neues Image. Auch viele Weltmeister gaben sich im Laufe der Jahre bei den verschiedenen Bällen und Veranstaltungen ein Stelldichein. Neben seiner aktiven Laufbahn als Profitänzer - in den Jahren 1985 bis 1987 mehrmaliger Europa- und Worldcup-Finalist bei den Professionals über Zehn Tänze - leitete Peter Mangelsdorff die Tanzschule, sorgte für eine Komplettrenovierung im Jahr 2002 und betreute als Trainer A in Zusammenarbeit mit Ingrid Mangelsdorff die Paare des TC Blau Gold. Seit dem Tod von Ingrid Mangelsdorff im Dezember 2005 obliegt die Geschäftsführung der Tanzschule ausschließlich Peter Mangelsdorff.

Momentan werden die Paare in Tanzschule und Club von einer Vielzahl fachlich ausgebildeter Tanzlehrer und Tanzsporttrainer unterrichtet. In der Tanzschule sind Thorsten Unger und Melanie Martini tätig; Ballettkurse werden von Deborah Pfeffer durchgeführt, und das Kindertanzen (integriert in den TC Blau Gold) leitet Vera Küster. Im Club unterrichten Peter Mangelsdorff (vom Hobby- bis zum Sonderklassen-Turniertraining) sowie Gerda Küster (in der Hobbygruppe). Ein perfektes Team - von den ersten Gehversuchen auf dem Parkett bis zum Deutschen Meistertitel im Turniertanzen.